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Historie

Erinnerungen von Stadtführer Werner Tigges an das Soester „Café Aecker“ 01.01.2026

Das waren Zeiten, als es in den Räumen in der Brüderstraße 9 in Soest noch Kaffee, Kuchen und Gebäck gab. Wo heute ein Schuhhaus ist, gab es lange Jahre das exclusive und Cafe Aecker, das bei vielen Soestern sehr beliebt war. Auch bei Werner Tigges, der sich noch lebhaft an seine „Aecker-Zeit“ erinnert.„Es war das Jahr 1965. Ich würde bald die Schule beenden, um eine Lehre als Konditor zu beginnen. Also machte ich mich auf den Weg in die Stadt, wo es einige Cafés gab. Café Fromme und Café Brechtmann am Markt (heute Eiscafé Venezia), Café Linpinsel in der Petristraße (heute Pesel), Café Helm im Grandweg (heute der SO-fair Welt Laden) und eben das Cafe Aecker in der Brüderstraße. Also besuchte ich mehrere potenzielle „Lehrherren“, wie die Ausbilder damals noch hießen. So auch im Café Aecker.Aber während ich bei anderen Cafés quasi zwischen Tür und Angel empfangen wurde, nahm sich Emil Aecker im Oktober 1965 die Zeit und setzte sich mit mir in sein Café um mich kennenzulernen. Zum Schluss sagte er: ‚Komm Anfang Dezember nachmittags nach der Schule vorbei, und guck Dir an, was wir hier so machen. Dann weißt Du, ob es für Dich das richtige ist.‘ Ich war begeistert von der Idee und bekam schnell einen Einblick in die Arbeit. Der Chef lernte mich kennen und bekam in der Hochsaison in der Adventszeit eine Hilfskraft in der Backstube. Dann kam der Hammer zu Weihnachten: ‚Komm Heiligabend vormittags kurz vorbei‘, sagte Millie Aecker, die Frau vom Chef, an meinem letzten Praktikumstag. Das machte ich und ging mit viel Weihnachtsgebäck, dessen Vielfalt ich bis dahin kaum gekannt hatte und frischem Butterkuchen, nach Hause. Das war meine Entschädigung für die drei Wochen im Dezember 1966, und es war sehr ausreichend.Ich habe mich wohl nicht ganz so blöd angestellt, denn nach diesem ‚Praktikum‘ war Herr Aecker von mir überzeugt, und ich davon überzeugt, Konditor werden zu wollen. Es wurde ein Lehrvertrag über drei Jahre geschlossen und für das erste Lehrjahr eine Vergütung von 50 Deutsche Mark im Monat vereinbart. Am 1. April 1966 ging es los, morgens um 6:45 Uhr kam ich zu meinem ersten Arbeitstag in die Backstube. Ich habe die ersten Wochen überwiegend Backbleche gereinigt und ähnliches. Aber nach und nach wurde mir immer mehr gezeigt und zugetraut, und die Kollegen ließen mich auch selbst mal was machen.In der Backstube arbeitete Herr Aecker selbst, neben ihm noch ein zweiter Konditormeister, der auch mein Ausbilder war, eine Gehilfin, wie man das damals nannte und neben mir noch ein ‚Lehrmädchen‘. Die Erinnerung an meinen Ausbilder ist eher schmerzhaft. Zum einen gab er mir an einem Samstag im Sommer 1966 für eine Kleinigkeit eine Ohrfeige und zum anderen diskutierte er mit mir am Montag, als wäre nichts gewesen, über das verlorene Fußball-WM-Finale 1966 in Wembley.Das Cafe Emil Aecker war ein Betrieb, der seine Waren ohne jegliche Chemiezusätze hergestellt hat. Die waren Mitte der 1960er-Jahre neu aufgekommen waren und sehr angesagt. Bei Aeckers wurden die Basics gelehrt, vom Konservieren, trocknen von Obst, einlegen von Orangeade und Zitronat und so weiter. Backwaren und Torten wurden täglich frisch und im Sommer das Eis selbst hergestellt. Außer montags, dann war Ruhetag. Aber nicht für mich: Herr Aecker bestellte mich für vormittags und übte mit mir bestimmte Verfahren, für die sonst keine Zeit war. An meinem und seinem freien Tag.Dann kam die Allerheiligenkirmes 1966. Wir haben im Minutentakt Wurstbrötchen frisch gebacken und vor allem am Kirmes-Donnerstag Unmengen davon verkauft. Zu der Zeit saßen im Café noch Damen mit Hüten, die gerne mal ein Likörchen tranken und etwas Süßes aßen. Die Männer verspeisten lieber ein Wurstbrötchen, dazu gab es ein Bier und einen ‚Kurzen‘.Meine Ausbildung ging weiter, bis mich plötzlich der Schlag traf. Anfang 1967 eröffnete mir Herr Aecker, dass er sein Café schließen werde. Ich sollte mir einen neuen ‚Lehrherren‘ suchen. Nach dem ersten Schreck machte ich mich auf den Weg zum Café Brand in der Brüderstraße 42 gegenüber des ehemaligen Kaufhof. Dort setzte ich dann Mitte des Jahres 1967 meine Ausbildung fort, die ich im Jahr 1969 mit der Prüfung zum Konditorgesellen erfolgreich abschloss. Aber die Qualität, wie ich sie aus dem Hause Aecker kannte, habe ich nie wieder kennengelernt.“

„SOEST in den 1960er-Jahren – Schön war die Zeit!“ 01.01.2026

Wir von Schönes Soest wollen regelmäßig auch gerne zurückblicken. Den Anfang macht der Beitrag „Erinnerungen von Stadtführer Werner Tigges an das Soester Café Aecker“ in unserem aktuellen Online-Magazin. Wem die Wartezeit auf den nächsten Beitrag zu lang ist, dem legen wir ein Buch ans Herz.Wie sah unser schönes Soest in den 1960er-Jahren aus? Welche Politiker hatten das Sagen, wie veränderte sich das Stadtbild, welche Unternehmen waren damals erfolgreich? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt das Buch „SOEST in den 1960er-Jahren – Schön war die Zeit!“ – auf fast 200 Seiten mit informativen Texten und wunderbaren Fotos aus längst vergangenen Tagen.In den 1960er-Jahren hatte Soest wie viele andere Städte in Deutschland den Zweiten Weltkrieg hinter sich gelassen. Das Gesicht des neuen Soest nahm jene Züge an, die im Stadtbild noch heute sichtbar sind. Gesellschaftlich bewegte sich die Stadt aus der Aufbruchstimmung der Wirtschaftswunderzeit heraus auf die Umbrüche durch die 68-er-Generation zu.Das Buch hält die Eindrücke aus dieser Zeit rückblickend fest, wenngleich es keinen wissenschaftlich-historischen Anspruch erhebt. Es will gleichwohl ein Gefühl dafür vermitteln, wie die Menschen die 1960er-Jahre in Soest erlebten. Dazu unterteilte der Soester Autor Uwe Schedlbauer das Buch in zwölf Kapitel, welche von der Politik, Wirtschaft, Kultur über Kirchen bis hin zu Schulen, Sport, Kirmes und Schützenvereinen alle gesellschaftlich relevanten Felder abdecken.Höhepunkte waren aus heutiger Sicht sicher die königlichen Besuche der britischen Königin Elizabeth II. und des belgischen Königspaares sowie die kommunale Neugliederung, die Soest zur Kreisstadt machte. In den Kapiteln Wirtschaft, Sport, Schulen, Kirmes und Menschen erzählen Zeitzeugen lebhaft und eindrucksvoll von ihren Erinnerungen und Erfahrungen in den 60er-Jahren. Fotos, die man bislang so noch nie gesehen hat, untermalen die damalige Zeit.„Das hochwertig gestaltete Buch wird die Soester Bürgerinnen und Bürger sicherlich fesseln und begeistern“, sagte Soests ehemaliger Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer bei der Vorstellung des Buches: „Es mag bei älteren Menschen schöne Erinnerungen wecken und bei jüngeren vielleicht Interesse an diesem aufregenden Jahrzehnt. Ich wünsche bei der Lektüre viel Vergnügen und unterhaltsame Stunden.“ Das Buch kostet 19,90 Euro und ist im Soester Buchhandel oder online bei www.blundus-shop.net erhältlich.Weitere Infos:https://blundus-shop.net/soest-in-den-1960er-jahren-schoen-war-die-zeit-30

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