Mit Patroklus auf Entdeckungstour im Dom
Den Küster in der Sakristei besuchen, mit ihm über seine tägliche Arbeit plaudern, ihm zuschauen, wenn er per Knopfdruck die Glocken in Gang setzt, die dann im Konzert vereint ihren voluminösen Klang entfalten.

Domorganist und Kantor Stefan Madrzak lud am Tag des offenen Doms zu Orgelführungen ein und führte Pfeifen unterschiedlicher Größe und Bauart vor.
Foto: Heyke Köppelmann

12 Uhr mittags: Küster Georg zur Heiden drückte in der Sakristei die Schalter der Läutemaschine, und die Patrokli-Glocken entfalteten ihren Klang.
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Der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen, zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, die sanierte große Orgel aus der Nähe zu betrachten und sich das Instrument erklären zu lassen.
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„Spielen Sie doch mal was...“ Ein Wunsch, den Organist Stefan Madrzak gern erfüllte.
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Im Patroklidom standen viele Türen offen: So bot sich auch ein Blick ins Innere der Orgel.
Foto: Heyke Köppelmann

Die Vitrine ist fertig! Voriges Jahr zum Patronatsfest stellte der DomBauVerein eine nachempfundene Darstellung des verlorenen historischen Patroklusschreines vor. Bei elf der Figuren handelt es sich um feine Silber-Treibarbeiten aus der Hand der Gebrüder Winkelmann (Möhnesee-Brüningsen). Im Dommuseum sind die Repliken als komplette Reihe jetzt unter Glas zu bewundern. Frank Seidel, Vorsitzender des DomBauVereins (rechts hinten), freute sich über das Publikumsinteresse, ebenso Christoph Ilaender (links) und Mechthild Ilaender, die, wie auch Seidel, die Besucher begrüßten.
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Am dritten Pfeiler im südlichen Seitenschiff des Doms ist dieser Reliefstein aus dem 11. Jahrhundert zu finden, der als älteste noch erhaltene Patroklus-Darstellung gilt.
Foto: Heyke Köppelmann

Die Patroklus-Statue im Westwerk des Domes.
Foto: Heyke Köppelmann








Den Küster in der Sakristei besuchen, mit ihm über seine tägliche Arbeit plaudern, ihm zuschauen, wenn er per Knopfdruck die Glocken in Gang setzt, die dann im Konzert vereint ihren voluminösen Klang entfalten. Mit dem Kantor über jahrhundertealte Steinstufen auf die Empore steigen, um die Orgel aus der Nähe, sogar im Inneren, zu betrachten und sich – wie es ein Besucher launig mit Augenzwinkern formulierte – die „größten Pfeifen" zeigen zu lassen. Am Portal eine Tasse Tee trinken oder als kleinen Gruß einen Aufgussbeutel mit nach Hause zu nehmen, verbunden mit guten Wünschen des Pfarrgemeinderates für einen „genussvollen Moment“ daheim, wobei vor allem die fruchtige Mischung „Kleine Sünde“ beim Publikum bestens ankam. Auch Soester, die fest glaubten, sie kennen ihren Dom gut, merkten beim Patronatsfest: Da steckt noch mehr drin, das geht noch viel besser.
Alljährlich – zum Namenstag von St. Patroklus – lädt die katholische Gemeinde im Pastoralen Raum dazu ein, in besonderer Weise des Märtyrers zu gedenken. Das geschieht mit einem vielfältigen Angebot im Rahmen einer Veranstaltungsreihe, die alle Generationen einbezieht. Im Dom standen am Samstag, 25. Januar, den ganzen Vormittag über viele Türen offen, und zahlreiche Besucher nutzten die günstige Gelegenheit zum Blick hinter die Kulissen des imposanten Bauwerkes. Der Rundgang eröffnete neue, oft überraschende Perspektiven. Mancher warf zum ersten Mal einen Blick in den eher versteckt liegenden historischen Kapitelsaal und tauchte an diesem Original-Schauplatz tief ein in vergangene Zeiten. Dort saßen einst die Stiftsherren, hielten ihre Beratungen ab und trafen bedeutsame Entscheidungen, dem Propst gebührte der schönste Platz.
Der DomBauVerein St. Patrokli lud in das Museum im Westwerk ein. Wer die Räume in der Turmhalle betritt, steht seit wenigen Wochen gleich vor der neuen Hochvitrine mit der nachempfundenen Kulisse des einstigen Patroklusschreines, der als Hauptwerk westfälischer Goldschmiedekunst im 14. Jahrhundert gilt, jedoch im Zweiten Weltkrieg in Flammen aufging. Der DomBauVerein setzte sich dafür ein, die Repliken der Figuren in Soest zu vereinen. Nun sind sie, gut geschützt und behutsam ins Licht gesetzt, hinter Glas zu bewundern. Eine Reihe von Besuchern staunte zudem über weitere ungeahnte Schätze wie kostbare Paramente, liturgische Gegenstände und Fragmente uralter Architekturteile.
Am Sonntagmorgen, 26. Januar, läuteten die Glocken zum Hochamt. St. Patroklus ist der Patron der katholischen Gemeinde und der Schutzheilige der Stadt. Die „heimliche Hauptstadt Westfalens“ ist eng mit Patroklus verbunden, zu erkennen unter anderem am Standbild an der Rathausfront und an einer Skulptur am Osthofentor. Propst Dietmar Röttger begrüßte in der festlichen Messe namentlich Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer und die stellvertretende Bürgermeisterin Christiane Mackensen. Den Höhepunkt bildete zu Beginn die Prozession durch den Dom mit der Erhebung des Schreins. In ökumenischer Verbundenheit nahm auch der evangelische Pfarrer Christian Welck nach dem Gottesdienst im benachbarten Petrushaus am Hochamt teil, gemeinsam beteten Geistliche und die Gemeinde für Soest und die Soester. Alle zusammen sprachen unter anderem: „Ewiger Gott, wir bitten dich für die Menschen in unserer Stadt, dass sie in ihrer Verschiedenheit einander annehmen und respektieren, dass sie sich als Gemeinschaft empfinden und füreinander da sind, wenn sie gebraucht werden.“ Und außerdem: „In diesem Jahr der Wahlen zu Bundestag und Stadtrat bitten wir für die Frauen und Männer, die in unserer Stadt und darüber hinaus politische Verantwortung übernommen haben oder wollen. Wir bitten um einen Geist des Respektes gegenüber den Personen und der Sachlichkeit in den Themen auch in der Kontroverse des Wahlkampfes. Lass ihre Arbeit gut sein für das Wohl der Menschen in unserer Stadt und unserem Land.“
Heyke Köppelmann


Publiziert am:
27.3.25