Melanie Woste – von Soest hinaus in die Welt der Kunst
„Soest, das ist meine Stadt!“ Melanie Woste fühlt sich pudelwohl in ihrer Wahlheimat. Seit zehn Jahren lebt die gebürtige Münsterländerin in der Bördemetropole, hat im Herzen Westfalens die ideale Umgebung gefunden, um ihrer Leidenschaft frönen zu können.
Melanie Woste gehört zur Künstlergruppe „Das rote Zebra“, hat zweimal den Publikumspreis des Aktion-Kunst-Preises gewonnen, den Klaus-Peter Kirchner, Geschäftsführer der Aktion-Kunst-Stiftung, initiiert hat. Auch jetzt gehört Melanie Woste zu den 20 Nominierten. Am 9. März werden die Preisträger im Museum Wilhelm Morgner bekanntgegeben.
Foto: Dirk Wilms
Die einzige nicht originalgetreue Eigenkreation von Melanie Woste ist diese Kombination aus Kassettenrekorder und Funkgerät.
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Die Registrierkasse ist eine der aufwendigsten Arbeiten, bis zur Vollendung verging ein Dreivierteljahr.
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Melanie Woste, hier neben ihrer aus Luftpolsterfolie hergestellten Jacke, wird von Assistenzhund Ebby begleitet. Er passt auf die 41-Jährige auf, die seit einer Erkrankung als junge Erwachsene gehandicapt ist, eine Zeitlang auf einen Rollstuhl angewiesen war
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Mit ihren Gemälden bringt Melanie Woste die Betrachter dazu, die Grenze zwischen Schein und Sein zu hinterfragen.
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Dieses Werk ist mit einer Art Transfertechnik entstanden, werden doch Druckpigmente aus alten Zeitungen mit Klebeband abgenommen und zusammengesetzt.
Foto: Dirk Wilms
Die Gemälde im Rahmen der Ausstellung „Die Belanglosigkeit des Seins“ mit den Menschen ohne Körper und Kopf finden ihre 3D-Version in dieser Dame auf einem Stuhl. Auch hier sind Pappe und Packpapier die verwendeten Werkstoffe.
Foto: Dirk Wilms
Der Schallplattenspieler aus Pappe ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Detailgenauigkeit, die Melanie Woste so wichtig ist.
Foto: Dirk Wilms
„Soest, das ist meine Stadt!“ Melanie Woste fühlt sich pudelwohl in ihrer Wahlheimat. Seit zehn Jahren lebt die gebürtige Münsterländerin in der Bördemetropole, hat im Herzen Westfalens die ideale Umgebung gefunden, um ihrer Leidenschaft frönen zu können. Mit ihren Werken hat sich die inzwischen 41-Jährige längst einen Namen gemacht in der Kunstwelt. Einige ihrer Arbeiten sind in Amsterdam und Düsseldorf in namhaften Ausstellungen zu sehen.
Und auch in Soest im Rahmen der Preisträgerausstellung „Intime 4“ des Aktion-Kunst-Preises 2025. Sie wird eröffnet im Museum Wilhelm Morgner am Sonntag, 9. März, um 11 Uhr. Das geht einher mit der Verleihung des 1. und 2. Preises an die beiden Auserwählten, die die Fachjury unter zwanzig Kandidaten ermittelt hat. Zu denen zählt auch Melanie Woste, die schon zweimal (2015 und 2020) den Publikumspreis gewonnen hat. Damit würdigten die Besucher der „Intime“-Ausstellungen die Arbeit der Künstlerin, die sich schon von Kindesbeinen an der Kunst verschrieben hat. „Im Kindergarten habe ich nur gemalt“, war sie gar nicht von Buntstiften und Farben abzubringen. Später näherte sie sich neben der Aquarell-, Acryl- und Seidenmalerei dem plastischen Gestalten.
Das hat Melanie Woste intensiviert, seit sie unter den Fittichen von Klaus-Peter Kirchner im Atelier der Aktion-Kunst-Stiftung arbeitet. Ab 2014 zunächst am Windmühlenweg in Soest, seit dem Frühjahr 2024 nun im Kunstforum Buddemühle, hat sie gelernt, den Blick für die Details zu verfeinern, im Arbeitsprozess die Denkweise so zu verändern, dass es Kunst wird. Als Mitglied der Künstlergruppe „Das rote Zebra“ hat sie einen Perfektionismus entwickelt, der an der detailreichen Arbeit mit dem Werkstoff Pappe zu erkennen ist. Alltagsgegenstände, vor allem aus der analogen Zeit, erweckt Melanie Woste zum Leben. Ob es die mechanische Schreibmaschine ist, ihr Erstlingswerk von 2017, oder die Registrierkasse, der Schallplattenspieler oder zuletzt das Maschinengewehr – all diese Werke sind so präzise im akkuraten 1:1-Maßstab gearbeitet, dass der Betrachter zu gern einmal eine Taste drücken würde.
Im Rahmen ihres Schaffens muss Melanie Woste bisweilen die Werkzeuge beiseite legen, ist es doch körperlich anstrengend, den Werkstoff Pappe mit Cuttermesser, Schere und Heißklebepistole zu bearbeiten. Da legt sie hin und wieder eine schöpferische Pause ein, nimmt einen Pinsel zur Hand und malt. Die Arbeiten konkurrieren dabei nicht, ergänzen sich vielmehr, wovon sich die Betrachter ihrer Werke überzeugen können. Melanie Woste präsentiert ihre Objekte auch in anderen Darstellungsformen, hat mit dünnen Klebestreifen Druckpigmente von alten Zeitungen aufgenommen und setzt sie entsprechend zusammen. Schließlich hat sie auch Luftpolsterfolie mit Spritzen und Farbe bearbeitet, um so einen Mantel mit Muster zu kreieren. Damit ist der Bogen geschlagen zu jenen Gemälden, auf denen Figuren mit Kleidung, aber ohne Körper zu sehen sind.
Zuletzt arbeitete sie an einem genähten Bild in einer opulenten Größe von etwa vier Quadratmetern, auf dem sie wie im Fall des Maschinengewehrs aus Pappe den Ukraine-Krieg thematisiert. Vier Wochen lang war sie täglich sechs bis sieben Stunden damit beschäftigt. Nun werden Werke von ihr im Museum Wilhelm Morgner zu sehen sein, wo alle Kandidaten des aktuellen Aktion-Kunst-Preises ausstellen. Parallel dazu werden im Kunstforum Buddemühle Arbeiten von ihr und den anderen Preisträgern der Aktion-Kunst-Preise aus den Jahren 2012, 2015 und 2020 zu sehen sein.
Dirk Wilms
Publiziert am:
27.3.25