Alltag ohne Auto? – in Soest läuft's!
Umdenken, den Wagen häufiger stehenlassen und zu Fuß gehen – das schont sowohl die Umwelt als auch den Geldbeutel und stärkt dazu noch die Fitness. Klar, es ist bequemer, sich schnell hinters Steuer zu setzen, Gas zu geben und jederzeit loszudüsen, wohin man auch will. Doch es geht auch anders, diese Erfahrung machen immer mehr Soester, die der Verkehrswende Flügel verleihen möchten.

Gruppenbild mit Hund, denn Odin, eine Französische Bulldogge, spielt in einer die Sieger-Geschichten die Hauptrolle. Soests Klimaschutzbeauftragter Tim Scharschuch (links) mit den Finalisten von links: Nadine Hänicke und Peter Hoffmann. Gewinner Wolfgang Zschocke wurde durch seine Ehefrau Anja (rechts) vertreten.
Foto: Heyke Köppelmann

Der Soester Klimaschutzbeauftragte Tim Scharschuch (rechts) überreichte den Preisträgern – hier Peter Hoffmann – in der Stadtbücherei als Anerkennung Urkunde und Soest-Gutschein.
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Nadine Hänicke beim Vorlesen ihrer Geschichte, aufgeschrieben aus der Sicht ihres Hundes.
Foto: Heyke Köppelmann



Umdenken, den Wagen häufiger stehenlassen und zu Fuß gehen – das schont sowohl die Umwelt als auch den Geldbeutel und stärkt dazu noch die Fitness. Klar, es ist bequemer, sich schnell hinters Steuer zu setzen, Gas zu geben und jederzeit loszudüsen, wohin man auch will. Doch es geht auch anders, diese Erfahrung machen immer mehr Soester, die der Verkehrswende Flügel verleihen möchten. Das ist ganz im Sinne der Geschäftsstelle Klimaschutz im Rathaus, die sich auf breiter Ebene für mehr Lebensqualität in der Stadt einsetzt, dazu zählt – als ein Punkt unter vielen weiteren in einem umfangreichen Maßnahmenkatalog – die Reduktion von schädlichen Treibhausgas-Emissionen, zu einem Großteil verursacht durch den Straßenverkehr.
Ein Leben ohne eigenes Auto vor der Haustür – klappt das überhaupt in der Familie und in einer eher ländlich geprägten Region? Die Antwort des Soesters Peter Hoffmann lautet: „Ja, das funktioniert!“ Soest und das angrenzende Bad Sassendorf zu erradeln, das bedeute alles in allem mehr Freude als Frust. Als die Stadt Soest – Geschäftsstelle Klimaschutz gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Verkehrsplanung – im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche zum Schreiben und Erzählen einlud, meldete sich eine Reihe von Soestern, unter ihnen Peter Hoffmann. Das Thema: persönliche Erlebnisse mit Alternativen zum Auto, um in Soest – bekannt als Stadt der kurzen Wege –, aber auch außerhalb der Wälle von A nach B zu kommen, sei es, um auf die Schnelle ein paar Besorgungen zu erledigen oder die ganze Welt kennenzulernen. Auf welch vielfältige Art und Weise das möglich ist, kommt in den von den Teilnehmern eingereichten Texten zum Ausdruck, die ganz entfernt an den berühmten Werbespruch von Schauspieler Bruno Maccalini als Cappuccino-Mann Angelo erinnern: „Isch 'abe gar kein Auto, Signorina“.
Soests Klimaschutzbeauftragter Tim Scharschuch zeichnete in der Stadtbücherei die von einer Jury ausgewählten Finalisten des Wettbewerbes „Mein Soest – Meine Mobilität – Meine Geschichte“ aus. Wolfgang Zschocke belegte Platz ein, Rang zwei ging an Peter Hoffmann, und über den dritten Preis freute sich Nadine Hänicke. In ihrem Beitrag schildert die Autorin aus Sicht ihres Hundes Odin, eine dreijährige Französische Bulldogge, wie spannend Touren mit dem Lastenrad – natürlich als Dog-Edition – sind und was man unterwegs alles erleben kann: „Wir haben hier in Soest so viele großartige Ecken, die wir gerne besuchen und erkunden. Zum Beispiel fahren wir gerne zum alten Gleisweg. Obwohl man dort noch sehr zentral ist, ist es wie in einer kleinen Wohfühloase mitten in der Natur. Es ist einfach wunderschön und absolut erholsam dort, wie eine kleine Auszeit.“
„War doch nur ein kleiner Blechschaden“, so beginnt eine fiktive Geschichte mit realem Bezug von Wolfgang Zschocke. Er beschreibt die Busfahrt eines älteren Mannes, der jahrzehntelang selber gefahren ist. Nun soll er das Auto in der Garage lassen, und er ärgert sich über seine „neunmalkluge Tochter“ und den „vorlauten Schwiegersohn“: „Entmündigen wollen die mich, ausbremsen, stilllegen, degradieren.“ Wer zuhört, ahnt es bereits, der Senior kommt ins Nachdenken und schließlich zur besseren Einsicht. Den großen Mercedes zu nehmen, mit 300 PS, vielen Sitzplätzen, netten Mitfahrern und eigenem Chauffeur, das ist gar nicht so schlimm wie befürchtet. Und es hat durchaus auch etwas Entspannendes, nicht selber aufpassen zu müssen.
Peter Hoffmann lässt die Leser teilhaben an einer „ganz anderen, neuen Art von Freiheit“. Beim Radfahren sei man der Natur viel näher, spüre den Wind und die Wärme. Man rieche die Natur, sehe diese durch das geringere Tempo viel bewusster. Bleibt noch das schlechte Wetter. Peter Hofmann: „Das kann definitiv die Freude mindern, aber dank einer neuen Regenhose ist auch das meistens kein Thema.“ Wo ein Wille ist, ist also ein Weg: Man geht zu Fuß, schwingt sich auf den Sattel des Velos, steigt in den Bus, bucht das Stadtteil-Auto, reist mit der Bahn. Ein guter Neujahrsvorsatz für 2025. Vieles ist in Soest möglich.
Heyke Köppelmann
Publiziert am:
17.1.25