Aktion-Kunst-Preis 2025 geht nach Berlin und Soest

Die Bedeutung des Museums Wilhelm Morgner für die deutsche Kunstszene wurde offenkundig bei der Verleihung des 4. Aktion-Kunst-Preises. Im Soester Kulturtempel waren Menschen aus ganz Deutschland dabei, als einer der wichtigsten Preise der Outsider-Kunst vergeben wurde. Landesministerin Ina Brandes überreichte die beiden Preise an den Berliner Adolf Beutler und die Soesterin Melanie Woste, die damit nach zweimaligem Gewinn des Publikumspreises nun zum dritten Mal zu den Preisträgern zählt.

Ina Brandes zeigte sich angetan von der Schaffenskraft der Menschen, die trotz eines Handicaps eine Genialität an den Tag legen. „Ich bin beeindruckt von der künstlerischen Qualität der Arbeiten“, hob die Ministerin für Kultur und Wissenschaft hervor. Die Vielfalt der Werke der Künstler sei unglaublich inspirierend, fasste sie ihre Eindrücke nach einem Rundgang durch die Ausstellung zusammen. Besonders betonte sie das Wirken der Aktion-Kunst-Stiftung mit Klaus-Peter Kirchner. „Ihre leidenschaftliche Arbeit kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wenn Sie es nicht machen würden, würde es keiner machen“, stellte sie die Bedeutung der Soester Stiftung für das künstlerische Schaffen von Menschen mit einem Handicap heraus. So sei die Bereitstellung sicherer Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit für Ausstellungen für die Künstler von elementarer Bedeutung.

Klaus-Peter Kirchner dankte den vielen Förderern für ihre Unterstützung, ohne die der Aktion-Kunst-Preis gar nicht vergeben werden könnte. „Ihr Engagement zeigt, wie wertvoll die Unterstützung der Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft ist. Der Erhalt der Kultur ist auch ein wichtiger Baustein zum Erhalt unserer Demokratie“, ließ er die Bedeutung der Kunst gerade im politischen Umfeld nicht unerwähnt. Der Geschäftsführer der Aktion-Kunst-Stiftung erläuterte, dass die Jury mit Natascha Kirchner und Thomas Zipp aus Berlin, Monika Schnetkamp aus Düsseldorf und Christian Luig aus Werl keine leichte Aufgabe hatte, unter der Fülle von Bewerbern jene 20 Outsider-Künstler auszuwählen, die in die Endausscheidung kamen und nun im Museum Wilhelm Morgner zu sehen sind.

Letztlich blieb der 2. Preis in Soest mit Melanie Woste als Gewinnerin. „Ihre Kunst führt uns vor Augen, wie wir Oberflächlichkeit mit Bedeutung verwechseln“, brachte es Klaus-Peter Kirchner in seiner Laudatio auf den Punkt. „Sie zwingt uns, darüber nachzudenken, was wir wahrnehmen und was wir verdrängen“, ergänzte der Laudator mit Verweis auf ihre Arbeiten aus Karton, mit denen sie auch aktuelle Themen aufgreift, wie am Sturmgewehr oder dem Körbchen mit Handgranaten deutlich wird. Der 1. Preis ging an Adolf Beutler. Der 90-Jährige verbrachte nach dem Überleben der Euthanasie in der Nazizeit Jahrzehnte in psychiatrischen Einrichtungen, ehe er als 60-Jähriger in der Mosaikwerkstatt in Berlin mit dem Zeichnen begonnen hatte. „Seine filigranen, dichten Strichzeichnungen erinnern an geheimnisvolle Schriftbilder, an Strukturen, die Ordnung und Chaos zugleich verkörpern“, so Klaus-Peter Kirchner. Seine Kunst zeige, dass Kreativität ein Akt des Widerstands sein könne.

Die Werke aller nominierten Künstler sind bis zum 18. Mai im Museum Wilhelm Morgner zu sehen. Am 30. März wird eine Tandemführung durch die Ausstellung mit Klaus-Peter Kirchner und Museumsleiterin Annette Werntze stattfinden. Weitere Termine folgen Mitte Mai. Bis dahin können die Besucher abstimmen, um am 18. Mai den Gewinner des Publikumspreises verkünden zu können.                                                                    

Dirk Wilms

Publiziert am:

27.3.25