... aus dem Sport

Falk Wendrich – ein „Soester Junge“

Falk Wendrich hat die Wahl. Als einer der besten Hochspringer Deutschlands kann er sich praktisch aussuchen, für welchen Verein er auf Höhenjagd geht. In den nordrhein-westfälischen Leichtathletik-Hochburgen Dortmund, Wattenscheid und Leverkusen könnte jemand wie er sogar zumindest ein wenig Geld mit seinem Sport verdienen, hinzu kommen die professionellen Rahmenbedingungen eines mehrspartigen Großvereins. Doch Falk Wendrich hat sich nicht für große Namen entschieden, sondern für seine Heimat. Seit dem Jahr 2015 startet der 25-Jährige im Trikot des Leichtathletikzentrums (LAZ) Soest und trägt so den Namen unserer Stadt auf die ganz große Leichtathletik-Bühne.

Gemeinsam mit seiner ehemaligen Vereinskollegin und Sprinterin Gina Lückenkemper ist Wendrich so etwas wie ein sportlicher Botschafter der Stadt geworden. In dieser Rolle hat er sicherlich auch dafür gesorgt, dass sich in der Leichtathletik-Szene herumgesprochen hat, dass das westfälische Dehnungs-e in „Soest“ ein stummes „e“ ist.

Während Vize-Europameisterin Lückenkemper inzwischen für den SCC Berlin startet und aktuell in Florida trainiert, hat sich Wendrich für „sein“ Soest entschieden, wobei auch er inzwischen häufig in Leverkusen bei Bundestrainer Hans-Jörg Thomaskamp trainiert. Nachdem er 2013 und 2014 für den TV Wattenscheid gestartet war, wechselte er zurück in seine Heimatstadt. „In Wattenscheid wurde alles für mich getan, dort hat man als Leistungssportler ein tolles Umfeld, mir hat aber die familiäre Atmosphäre hier in Soest gefehlt“, sagte Wendrich damals zu seiner Rückkehr aus der Leichtathletik-Hochburg Wattenscheid in seine Heimat Soest.

Hier hat seine Karriere begonnen. Auf dem Sportplatz am Schulzentrum im Soester Westen hat er in den Nachwuchsgruppen des LAZ die leichtathletischen Grundlagen gelernt. Unter der Regie seines Trainers Harald Bottin feierte er im Jahr 2012 seinen ersten großen internationalen Erfolg. Bei der U20-Europameisterschaft in Barcelona gewann der damals 17-Jährige die Silbermedaille, im gleichen Jahr wurde Wendrich zum Jugend-Leichtathlet des Jahres gewählt. Sein bisher wohl größter sportlicher Erfolg war der Titel bei der Universiade in Taipeh 2017. Bei der größten Studentensport-Veranstaltung der Welt lieferte Wendrich mit einem Satz über 2,29 Meter nicht nur den höchsten Sprung seines Lebens ab, sondern gewann auch die bisher wichtigste Goldmedaille seiner Laufbahn.

In diesem Jahr läuft es für den Soester allerdings nicht so wie er sich das vorgestellt hat. Bei der Deutschen Hallenmeisterschaft in Dortmund gewann Wendrich am vergangenen Wochenende zwar die Silbermedaille, doch er hatte sich mehr vorgenommen. 2,23 Meter standen für ihn am Ende zu Buche. Die Qualifikationsnorm für die Hallen-Europameisterschaft in Polen in der kommenden Woche liegt bei 2,28 Metern, eine Höhe, die sich Wendrich durchaus zugetraut hat. „Ich bin ziemlich enttäuscht, ich habe keinen Bock auf Silber“, ärgerte sich der Soester nach dem Wettkampf, den der Dresdener Jonas Wagner mit einer Höhe von 2,28 Metern überraschend gewann.

Dabei hatte Wendrich in den vergangenen Wochen konstant hohe Leistungen gezeigt. Trotz einiger Beschwerden infolge einer Fersenprellung hat er alle vier Wettkämpfe mit Sprüngen über Höhen jenseits der 2,20-Meter-Marke beendet. „Im Großen und Ganzen war das eine sehr gute Hallensaison, aber eben ohne die eine herausragende Leistung“, resümierte Wendrich ein paar Tage nach der DM, als sich der erste Frust gelegt hatte. Er konzentriert sich nun auf die bevorstehende Freiluftsaison. Höhepunkt sind hier die Olympischen Spiele – sofern sie unter den Corona-Bedingungen möglich sind. Die Qualifikation dafür ist ihm durchaus zuzutrauen. Es wäre eine weitere Gelegenheit, den Namen unserer Stadt auf die ganz große Leichtathletik-Bühne zu tragen.

Sebastian Moritz

Foto links: Falk Wendrich im Nationaltrikot: Hier 2016 bei der U20-EM im polnischen Bydgoszcz

Foto rechts: Seine wichtigste Goldmedaille gewann Falk Wendrich 2017 bei der Universiade Taipeh und präsentierte sie später stolz auf dem heimischen Sportplatz am Schulzentrum

Fotos: Sebastian Moritz